Auf stillen Waldpfaden entlang der Grenze

Selbstgeführte Wanderung – im deutsch-tschechischen Grenzgebiet


KENNZEICHNUNG:
gelber Punkt

STRECKENVERLAUF:
Neualbenreuth – Mittelpunkt Europas – Dorfstelle Neumugl – Altmugl – Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 4-5 Stunden; ca. 14 km; Höhenunterschied ca. 280 m


Vom Marktplatz Neualbenreuth beginnen Sie Ihre Wanderung in Richtung Grenzlandturm über die Straße „Am Bühl“. Auf halber Höhe biegen Sie bei der Schönstatt-Kapelle nach rechts ab und folgen der Teerstraße ca. 100 Meter. Nun gehen Sie geradeaus auf dem Feldweg wieder hinab ins Tal.

Unten im Tal wenden Sie sich nach links und laufen den Wanderweg bergan zu einer Lichtung. Der Weg führt weiter als Hohlweg in einen Fichtenwald – geheimnisvoll und düster, der Nährboden für die vielen Sagen und Legenden, die sich um den Tillenberg ranken und von Zwergen, Riesen, Geistern und der Tillenstadt mit ihrem unermesslichen Reichtum erzählen.

Nicht grundlos erzählen Märchen und Sagen von Gold- und Silberschätzen, Granaten und Edelsteinen. Der Reichtum an Edelmetallen, kostbarem Gestein und abbauwürdigen Erzen muss wohl bedeutend gewesen sein. Zeugnis davon geben die Waschhalden alter Goldseifen bei der ehemaligen Siedlung Kalmenreuth, die Sie an Ihrem Weg passieren. Bevor Sie die Teerstraße erreichen, befinden sich links im Wald die Überreste eines alten Kohlenmeilers.

Nun wird der Wald etwas lichter und Sie folgen der Straße bis hinauf zum höchsten Punkt. Dort wenden Sie sich nach rechts, queren einen Forstweg und folgen dem Wanderweg weiter bergauf, bis Sie wieder auf eine Forststraße treffen. Auf dieser laufen Sie weiter an einer Jagdhütte vorbei und dann steil hinauf zum Grenzweg.

Oben angekommen liegt linkerhand der Granatbrunnen. Auf einem kleinen Abstecher dieser Richtung ca. 400 m folgend kommen Sie zum Königsstein, ein 350 Mio. Jahre alter Urgesteinsblock und das älteste natürliche Grenzmal unserer Region.

Der Mittelpunkt-Stein
Der Mittelpunkt-Stein

Zurück am Granatbrunnen vorbei erreichen Sie nach kurzer Zeit den Gedenkstein Mittelpunkt Europas. Der Originalstein stammte aus dem Jahr 1865 und war von einem österreichischen Landvermesser der k.u.k. Monarchie auf dem Gipfel des Tillenberges als trigonometrischer Fixpunkt 1. Ordnung errichtet worden. Neben seiner primären Funktion als wichtiger Vermessungspunkt entwickelte sich der Stein vor dem 2. Weltkrieg zusammen mit dem 1926 errichteten Tillenschutzhaus zu einem beliebten Ausflugsziel für Wanderer von diesseits und jenseits der Grenze. Mit der Zeit kam der Stein so zu seiner Symbolkraft als Mittelpunkt Europas. Da sich nach dem 2. Weltkrieg am Tillenberg ein militärisches Sperrgebiet befand und über den Verbleib des Originalsteins vom Gipfel nichts bekannt ist, wurde 1985 der Nachfolgestein an der heutigen Stelle errichtet.

Ihre Wanderung führt Sie vom Mittelpunktstein dem gelben Punkt folgend weiter auf einem abwechslungsreichen Weg entlang der deutsch-tschechischen Grenze zur Dorfstelle des ehemaligen Dorfs Neumugl.

Bei Neumugl steht ein Grenzstein, dessen eine Seite den böhmischen Löwen und die Jahreszahl „Anno 1774“ eingemeißelt trägt. Die andere Seite zeigt das bayerische Wappen. Diese Art von schönen Wappensteinen ist nicht allzu häufig und befindet sich meist an sehr einsamen, schwer zugänglichen Stellen.


Abstecher zur Niklaskirche
Von Neumugl aus bietet sich ein Abstecher zur Niklaskirche bei der ehemaligen Siedlung Högelstein an (plus ca. 4 km/1 Stunde). Dazu laufen Sie an der Grenze entlang weiter bis zu einer Wiese, an deren südöstlichen Ecke sich das bayerisch-tschechische Quellenhaus befindet.
Dieses Quellenhaus steht direkt auf der Grenze, d.h. die Grenze läuft durch das Haus hindurch. Die Fraisch-Regelung, die sich durch freien Warenhandel mit den Nachbarn jenseits des Tillenberges auszeichnete, findet so noch heute ihren Niederschlag, wenn auch nur noch in Form von Wasser. So beziehen die Städte Waldsassen und Eger (Cheb) Trinkwasser aus dem Egerer Stadtwald. Nach dem Vertrag von 1908 wurde Wasser aus dem Wald über die Grenze nach Eger gepumpt (und umgekehrt). Die Nutzungsrechte hatte die Stadt Eger. Dies geschieht bis heute. Von hier führt ein Forstweg durch einen schönen Fichten-Buchen-Wald geradewegs zur Niklaskirche. Schon vor der Gründung des Klosters Waldsassen hatten in der hiesigen Gegend andere Klöster Besitzungen. Eines von ihnen war das Kloster Reichenbach, zu dem die Probstei Högelstein, zusammen mit zahlreichen Orten im Osten des heutigen Landkreises gehörten. In alten Urkunden ist verzeichnet, dass bereits 1182 in der Siedlung Högelstein (auch Hohenstein gen.), eine Kirche stand, die dem Heiligen Nikolaus geweiht war.
Das Pfarrdorf soll um 1430 von den Hussiten zerstört worden sein. In Aufzeichnungen wird es bereits 1442, als die Probstei vom Kloster Waldsassen erworben wurde, als öd bezeichnet. Als einziges Bauwerk blieb die kleine Kirche übrig, die im Laufe der Zeit langsam verfiel. So baute 1690 das Kloster Waldsassen die Kirche als Holzbau wieder auf, die 1894 nach einem Blitzschlag niederbrannte. Daraufhin wurde die heutige schlichte Kirche errichtet.
Auf der Wiese um das Kirchlein rasteten früher die Wallfahrer aus Böhmen und hielten Andacht, wenn sie an Christi Himmelfahrt nach Maria Loreto bei Altkinsberg zogen.


Von Neumugl gehen Sie durch den Wald hinab zur Teerstraße, der Sie nach rechts – Richtung Altmugl – folgen. Kurz vor dem Dorf steht am rechten Straßenrand der Stumpf der Alten Buche, einem Naturdenkmal, dessen Alter auf ca. 300 Jahre geschätzt wurde.

Nun geht es bergab durch Altmugl. Am Ende des Dorfes biegen Sie rechts ab und wandern über Felder und Wiesen zum Wald. Rechts dem gelben Punkt folgend, laufen Sie durch den Wald bis zur Teerstraße, der sie nach links bis zum nächsten Wald folgen. Der Wanderweg führt in den Wald hinein und nach einigen Metern nach links hinab zur Fischzucht.

An der Fischzucht vorbei wandern Sie hinaus aus dem Wald und durch Wiesen und Felder. Sie sehen unter anderem die Überreste alter Grubenschächte auf Ihrem Weg vorbei am Sportplatz zurück nach Neualbenreuth.

Die Wanderung endet in Neualbenreuth auf dem historischen Marktplatz mit seinen Egerländer Fachwerkhäusern. In der Alten Posthalterei sind die Gäste-Information und das Heimatmuseum des Heimatkreises Marienbad untergebracht. Gegenüber der Gäste-Information befinden sich das Rathaus und der Sagenbrunnen.

Neualbenreuther Rathaus - das Herrenhaus
Neualbenreuther Rathaus – das Herrenhaus

Das Rathaus wurde im 18. Jahrhundert von der Stadt Eger erbaut und 2013/14 komplett renoviert. In den Archiven wird es als Herrenhaus bezeichnet. Von 1830 bis 1910 gingen hier die Neualbenreuther Kinder zur Schule.

Der Neualbenreuther Sagenbrunnen wurde vom Bildhauer Günter Mauermann geschaffen. Der Brunnen zeigt den Tillenberg durchbrochen und durchlässig. Aus dem Inneren taucht die sagenhafte Tillenstadt in all ihrer Pracht auf. Zu Füßen des Massivs kauert Sibylle Weiß, die weise Frau und Seherin, die dem Sibyllenbad seinen Namen gab. Einige Figuren des sagenumwobenen Tillen sind in den Granitstein gehauen. So lassen sich die Tillenzwerge, die Pascherin und der Dudelsackpfeifer finden.


Flyer herunterladen:

  Auf stillen Waldpfaden entlang der Grenze (6,4 MiB, 121 hits)

 

 

© Marktgemeinde Neualbenreuth; Änderungen vorbehalten; 
Stand: August 2015

 

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