Durch den Egerischen Hochwald zum Ringelfelsen

Selbstgeführte Wanderung – durch den Egerer Wald mit bizarren Felsformationen


KENNZEICHNUNG:
blauer Punkt

STRECKENVERLAUF:
Neualbenreuth – Kleine Kappl – Ottengrün – Ringelfelsen – Schachten – Gedankental – Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 4-5 Stunden; ca. 15 km; Höhenunterschied ca. 180 m


Die Wanderung beginnt am Marktplatz in Richtung Sibyllenbad. Beim Ortsende kommen Sie an ein Steinkreuz.

Kreuze aus Stein sind in der Oberpfalz seit dem Mittelalter bekannt. Diese Flurdenkmale können sowohl religiöse als auch rechtssprechende Hintergründe wiederspiegeln. Das Steinkreuz am Ortsausgang von Neualbenreuth nach Waldsassen ist ohne Zeichen und Inschrift. Es ist wohl ein typisches Rechtswahrzeichen des ausgehenden Mittelalters und kann als Sühnekreuz bezeichnet werden. Sühnekreuze stammen etwa aus dem Zeitraum von 1400 bis 1650 und spiegeln die damalige Rechtsprechung wieder. Mit dem Kreuz wurde zugleich ein Wer- oder Manngeld an die Hinterbliebenen gezahlt. Damit sollte die Blutrache nach einem erfolgten Totschlag gesühnt werden. Mit dem Christentum kamen dazu noch kirchliche Bußen. Je nach Landessitte wurde dieser Brauch bis Ende des 16. Jhdt. ausgeübt, obwohl Kaiser Karl V. schon 1533 Strafen für Totschlag in der Halsgerichtsordnung festlegte.
(Nach: Rainer H. Schmeissner. Oberpfälzer Flurdenkmäler. Steinkreuzforschung Nr. 4)

Bei diesem Kreuz wenden Sie sich nach links und laufen ins Tal hinab bis zur Straße nach Mitterteich. Dieser folgen Sie einige Meter nach links und biegen bei der nächsten Gelegenheit nach rechts ab bis hinunter zu den Fischteichen. Vor dem ersten Teich folgen Sie der Markierung nach rechts, überqueren den Bach, passieren die Sibyllenquelle – die Kohlensäurequelle, von der aus das Kurmittelhaus Sibyllenbad mit Kohlensäurewasser gespeist wird – und laufen weiter bis zum nächsten Weg. Dort wenden Sie sich nach rechts und kommen zur Rennermühle.

Die Rennermühle ist eine von vielen Mühlen, die sich entlang des Muglbaches aufreihten. Schon sehr früh wurde die Wasserkraft des Baches zur Betreibung von Mühlen, Eisenhämmern u.a. genutzt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1554. Die Stadt Eger kaufte die Mühle damals für ihr Gut Albrechtsreuth. Im 30jährigen Krieg wurde die Mühle arg in Mitleidenschaft gezogen, 1653 durch die Stadt Eger wieder aufgebaut und anschließend veräußert. Nach über 400 Jahren Betrieb wurde dieser 1964 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Wasserrad der Rennermühle
Wasserrad der Rennermühle

Das der Rennermühle angegliederte Sägewerk wurde seit alters her mit Wasserkraft betrieben. Da sich nach dem 2. Weltkrieg niemand fand, der das alte Wasserrad ausbesserte oder durch ein neues ersetzte, wurde es 1945 durch einen Dieselmotor ersetzt. Seit 1979 dreht sich nun wieder ein Mühlrad und bestimmt, abhängig von der Wasserführung des Muglbaches, den Arbeitsrhythmus in der Säge.

Vor der Mühle führt der Weg nach links, über den Muglbach, leicht ansteigend, zu einem Feldkreuz, das von zwei Birken beschattet wird. Eine Bank lädt dort zum Verweilen ein und eröffnet den Blick auf das nächste Ziel, die Wallfahrtskirche Kleine Kappl. Vorbei am Golfplatz des Golfclub Stiftland e.V. erreichen Sie die Kirche. Die nach außen hin eher unscheinbare Kleine Kappl entfaltet im Inneren einen für diese Gegend ungewöhnlichen Reichtum an meist reifen Werken des Rokoko.


Die Kleine Kappl
Die erste Kapelle wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts von den Gutsherren von Ottengrün als herrschaftliche Schlosskapelle errichtet. Zu dieser Zeit grassierte im Egerland „der große Stub“ und der „jähe Tod“, also wahrscheinlich die schwarzen Blattern und die Pest. Da es dagegen keine medizinischen Möglichkeiten gab, wandte man sich an die Heiligen als Fürsprecher und Helfer. So wurde die Kappl bei Ottengrün dem Heiligen Sebastian, dem Patron gegen die Pest und andere gefährliche Krankheiten geweiht.
Nachdem Johann Josef Werndl von Lehenstein das Ottengrüner Gut übernommen hatte, begann er 1725 die alte, baufällig gewordene Kapelle niederzureißen, und im Jahre 1727 war die neue Kirche fertiggestellt. Johann Ernst von Lehenstein, der Sohn von Johann Josef setzte das Werk fort und bemühte sich vor allem um die innere Ausschmückung der Kirche. Er unternahm eine Wallfahrt nach Rom, von der er Reliquien und Leiber von Märtyrern mit zurückbrachte. Zuhause setzte er nun alles daran, die Kirche nach seinen, in Italien gemachten, Beobachtungen auszuschmücken und einzurichten.
Die Saalkirche mit den hohen Stichbogenfenstern besitzt eine reich bemalte Spiegeldecke. Der spätbarocke Hochaltar, die Rokokokanzel und die insgesamt fünf Seitenaltäre werden durch eine geschnitzte Doppelempore ergänzt. Der glanzvolle Schlusspunkt der Neugestaltung war die Freskierung der Gewölbezone durch den aus Tachau stammenden Maler Elias Dollhopf. Die Deckenfresken sind durch eine Überarbeitung im 19. Jahrhundert jedoch z.T. erheblich entstellt. Sie spielen in einzelnen Szenen auf die Italienreise des Auftraggebers an und nehmen das Thema der Pest und des Fürsorgers St. Sebastian wieder auf.
Es gibt viele Sagen, wonach der Hl. Sebastian der Bevölkerung bei Hunger und Krankheit geholfen hat. 
Eine Legende wird auch in einem Bild der Langhaussüdseite aufgegriffen. Danach soll ein Bauer, der gerade seinen Acker pflügen wollte, alles stehen und liegen gelassen haben, als ihn die Glocken zur Hl. Messe riefen. Als er anschließend wieder zu seiner Arbeit zurückkehrte, hatten Engel bereits das Feld bestellt.
Bis heute findet im September eine Trachtenwallfahrt von Neualbenreuth aus zur Kleinen Kappl statt.


Der Weg führt Sie auf der Teerstraße, an einem weiteren steinernen Flurkreuz vorbei, nach Ottengrün. Hier stehen noch alte Fachwerkhäuser, Vierseithöfe und auch alte Felsenkeller.

Die "Kleine Kappl" vor dem Egerischen Hochwald
Die „Kleine Kappl“ vor dem Egerischen Hochwald

Nach dem Dorf folgen Sie der Straße weiter, steil bergauf. Sie queren die Straße und tauchen in den stillen, dunklen Hochwald ein. Durch diesen Wald laufen Sie bergan und kommen zu einer Forststraße, der Sie nach rechts bis zur Tirschenreuther Straße folgen (686 m ü. NN). Sie überqueren die Straße und folgen einem geschotterten Fahrweg, den Sie kurz darauf wieder verlassen. Sie wandern nun leicht abfallend auf einem abwechslungsreichen Weg weiter.

Sie folgen dem blauen Punkt und entdecken zuerst die Hütte der „Naturfreunde Waldsassen“, die an festen Tagen im Jahr zum Hüttensonntag geöffnet ist. Hinter der Hütte taucht die Felsenwand des Rinnlsteins – im Volksmund Ringelfelsen – auf.

Vom Ringelfelsen gehen Sie nun wieder ca. 100 m zurück, bis zur nächsten Weggabelung und folgen der Markierung nach links hinab. Unmittelbar nach der Abzweigung steht links, abseits des Weges, ca. 30 m im Wald, der kleinere und unauffälligere Untere Ringelfelsen. Der Schieferblock ist recht flach, langgestreckt und von Bäumen bestanden.

Dem blauen Punkt folgend laufen Sie in Richtung Ottengrün. Der Weg führt Sie nun aus dem Wald heraus. An einer Kurve, nach der sich der Weg in einem Linksbogen nach Schachten hinaufzieht, finden Sie einen weiteren interessanten Punkt: Eine ehemalige Fundstelle von Amethysten.


Amethysten
Der Stollen zeugt von dem Vorkommen von Amethysten und der erfolgten Ausbeutung in früheren Zeiten. Die Fundmöglichkeiten hier waren schon früh bekannt.
Der Amethyst ist eine Quarzvarietät, dessen violette Färbung durch Verunreinigung der Grundsubstanz, hauptsächlich durch Mangan, sowie durch Eisen und Titan, bewirkt wird.
Der Amethyst von Schachten stellte eine Art Überfangkristall dar, das heißt, er bestand aus dreierlei Quarzmassen. Im Inneren befindet sich ein weißlicher Quarz, darüber ein prächtig gefärbter Amethyst, der nach außen von einer wasserhellen, bisweilen wolkig weißlich gefärbten Substanz überzogen ist.
Die Entstehung basiert auf den Geschehnissen im Laufe der Erdgeschichte, wo die starren Gneis-Granit-Massen der alten Gebirge verbogen, verworfen bzw. in Schollen zerlegt wurden und somit heiße Kieselsäurewässer und anderes Material aus dem Erdinneren aufsteigen konnten. An der Oberfläche erkalteten sie und kristallisierten aus. Druck und Hitze taten ein Übriges, so dass Gesteine bzw. Mineralien in vielerlei Ausbildung entstanden. Quellen berichten, dass um 1760 Quarzkristalle oft in ungewöhnlichen Größen aufgefunden wurden und „fuderweise“ nach Böhmen und Nürnberg verkauft wurden.
Edelsteine wurden schon früh durch ihre Schönheit und Seltenheit zu Attributen der Macht.


Oft waren aber die ihnen zugesprochenen magischen Kräfte wichtiger. Der Amethyst (gr.: amethein = nicht betrunken sein) soll gegen Trunkenheit schützen, eine glückliche Ehe garantieren, sowie Jähzorn, Hass und Wut in Liebe und Sanftmut verwandeln. Auch gegen Hagel, Blitz und Heuschrecken soll er wirken. Da er eine keusche Gesinnung verleiht und den Widerstand gegen Verführung stärkt, wurde er der Ringstein der Kardinäle und Bischöfe. Er gilt als der Glückstein der im Tierkreiszeichen Fische Geborenen. Heute lohnt es sich nicht mehr, nach den blauen Kristallen zu suchen, da die Vorkommen wohl weitestgehend erschöpft sind.

Gedankentafel im Gedankental
Gedankentafel im Gedankental

Ihr Weg führt Sie weiter durch den kleinen Ort Schachten, an dessen Ende Sie bei der kleinen Kapelle die Mitterteicher Straße überqueren. Sie laufen durch Wiesen und Felder hinab zur Troglauermühle, überqueren dort den Muglbach und laufen nach rechts durch das reizvolle Gedankental und den neu entstandenen Gedankentalpfad zurück nach Neualbenreuth. Der Weg verläuft hier über einen schmalen Steig an der Hangkante oberhalb der weitgehend naturbelassenen Bachaue. Nicht umsonst erhielt dieser einmalig schöne Bachmäander diesen Namen.


Flyer herunterladen:

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© Marktgemeinde Neualbenreuth; Änderungen vorbehalten; 
Stand: August 2015

 

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