Neualbenreuth, Sibyllenbad und das Gedankental

Selbstgeführte Wanderung – einmal rund herum


KENNZEICHNUNG:
schwarzer Punkt

STRECKENVERLAUF:
Neualbenreuth – Sibyllenbad – Gedankentalpfad – Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 1,5 Stunden; ca. 4,5 km; Höhenunterschied ca. 50 m


Die Wanderung beginnt in Neualbenreuth auf dem historischen Marktplatz mit seinen zahlreichen Egerländer Fachwerkhäusern. In der Alten Posthalterei sind die Gäste-Information und das Heimatmuseum des Heimatkreises Marienbad untergebracht.

Die Grenzlandheimatstube ist mit gerettetem Heimatgut, z.B. Erinnerungsstücken, alten Kommoden, Schränken, Trachten, Urkunden, Geschirr und Hausrat aus dem Egerland dekoriert. Sakrale Gegenstände, wie Teile aus der Kirche in Maiersgrün, Versehgarnituren, Votivbilder, Kreuze, Leuchter und vieles mehr weisen auf die tiefe Religiosität hin. Zusätzlich werden Andenken, Chroniken, Dokumente, historische Ansichten von 59 Orten im ehemaligen Kreis Marienbad ausgestellt, die über die Vertreibung hinaus gerettet werden konnten.

Gegenüber der Gäste-Information befinden sich das Rathaus und der Sagenbrunnen.

Das Rathaus wurde im 18. Jahrhundert von der Stadt Eger erbaut und Herrenhaus genannt. Von 1830 bis 1910 war es eine Schule und manche Lehrer wohnten auch darin.

Der Sagenbrunnen am Marktplatz
Der Sagenbrunnen am Marktplatz

Der Neualbenreuther Sagenbrunnen wurde vom Bildhauer Günter Mauermann geschaffen. Es ist ein aus der Schräge heraus konzipierter Brunnen. „Von der Höhe her dezent, strahlt der Brunnen durch sein subtiles Formenspiel dennoch stark in den Raum hinein.“ (G.Mauermann).

Der Brunnen zeigt den Tillenberg durchbrochen und durchlässig. Aus dem Inneren taucht die sagenhafte Tillenstadt in all ihrer Pracht auf. Zu Füßen des Massivs kauert Sibylle, die weise Frau und Seherin. Die Durchlässigkeit des Berges symbolisiert die Grenzsituation zu Tschechien. Der Tillenberg ist zu einem Verbindungsglied zwischen dem Stiftland und Tschechien geworden.

In das Bergmassiv im Sagenbrunnen sind acht verschiedene Sagengestalten eingearbeitet. Mit ein wenig Geduld und Fantasie werden Sie alle Sagengestalten entdecken!


Die Sagengestalten am Brunnen

– Die Wahrsagerin Sibylle Weis
– Der Egerländer Dudelsackpfeifer
– Die Tillenstadt und der Schwur der Zigeuner
– Die Pascherin und ihre „Stadt Jerusalem“
– Die Verfluchung der Tillenstadt
– Der Berggeist vom Tillen
– Die Frau ohne Kopf – Die Perlhenne
– Die Zwerge (Venezianer, Italiener)


Zwischen Neualbenreuth und Sibyllenbad
Zwischen Neualbenreuth und Sibyllenbad

Ihr Weg führt Sie Richtung Sibyllenbad vorbei an der Pfarrkirche „St. Laurentius“. Sie ist dem Schutzheiligen der Ewigen Stadt des Christentums geweiht und wird wegen ihrer stattlichen Größe auch der „Dom der Fraisch“ genannt. Die erstmalige Erwähnung der Pfarrei war 1286.

Von Beginn an unterstand sie dem Herrschaftsbereich Eger und nicht dem Stift Waldsassen. Neualbenreuth selbst und damit die Kirche kam 1862 endgültig an das Königreich Bayern.


Die Seherin Sibylle Weis
Die Seherin Sibylle Weis, die vor vielen Jahrhunderten gelebt haben soll, gab dem Sibyllenbad seinen Namen. Sie war eine ganz normale Bauersfrau, aber überdurchschnittlich begabt und ausgezeichnet mit glänzenden seherischen und zauberischen Kräften. Prophezeiungen, Verwünschungen und Drohungen brachten ihr zum einen Achtung und Zuneigung, aber zum anderen auch viel Furcht und Abneigung ein.
Sibylle Weis ist in Heidlitz, einem versteckten Dorf der Hohen Haid, geboren und aufgewachsen. Sie bewohnte dort ganz allein das elterliche Anwesen. In ihren besten Jahren lebte sie längere Zeit in Eger, da sie aber einen Brand über mehrere Häuser hinweg verursachte als sie ein Zaubermittel zubereitete, wurde sie vom Magistrat ausgewiesen.
Die Stadtknechte brachten sie aus der Stadt in die Gegend von Tirschnitz. Doch während einer kurzen Rast stieß sie ihren Wanderstab in den Boden und plötzlich begann er Knospen, Zweige und Äste zu treiben. Und so wurde aus dem Stab eine ausgewachsene Weide. Als dann die Zauberin zum Himmel blickte, setzte ein unheimliches Wetter mit grollendem Donner und zuckenden Blitzen ein, und als ein Blitzstrahl die Weide traf, ging sie urplötzlich in Flammen auf, was die Stadtdiener und die vielen neugierigen Zuschauer veranlasste, hektisch auseinander zu rennen. Die Wahrsagerin aber harrte aus und schrie den fliehenden Menschen aus Eger die prophetischen Worte nach: „Das Bild eurer Stadt – Heute stark, morgen zerschmettert! – Wenn auf den Döblitzer Höhen die Sträucher verschwunden sind, wenn die Weiber in Seide, statt in Wolle und Leinen gehen, wenn sie gar an Stelle von Frauenröcken Männerhosen tragen, wenn die Straßen und Wege soeben wie Tische sind, wenn die Wagen ohne Pferde fahren, wenn Stolz und Hoffart in die Herzen der Menschen einziehen – dann wird eure Stadt untergehen!“
Nachdem sie das gesprochen hatte, stampfte sie ihren Fuß in einen nahen, wachsweichen Felsblock und fuhr fort: „Eh diese Fußesspur wird vergehn, wird die Egerstadt nicht mehr bestehn!“
Nach diesen Worten eilte sie ins Gebüsch und verschwand. Die Seherin hat noch an vielen anderen Orten geweilt und geweissagt. Von ihrem Grabstein sagte sie schon zu Lebzeiten voraus: „Wenn mein Grabstein dereinst einen Sprung bekommt und so groß sein wird, dass ein Pferdehuf hineinpasst, dann bricht der Weltenbrand aus. Ihm wird ein Krieg vorausgehen, schlimmer als alle vorausgegangenen. Jammer und Elend werden die ganze Menschheit erfassen. Ein großes Sterben setzt ein. Übrig bleiben nur ein paar gute Menschen, von denen dann ein besseres Menschengeschlecht ausgehen wird!“
Ihre Prophezeiungen soll sie in einem Buch aufgeschrieben haben, das auf unbekannte Weise verlorengegangen und nie wieder aufgefunden worden ist.


Heute kann man im Inneren der Pfarrkirche unter anderem einen wunderschönen, gemalten Blendaltar bewundern. Die genaue Beschreibung und Bedeutung der Ausstattung können Sie im Kirchenführer der Pfarrkirche nachlesen, den Sie in der Gäste-Information kaufen können.

Entlang der Kirchenmauer laufen Sie durch die Engstelle und kommen zu einem weiteren, renovierten Fachwerkhof. In diesem denkmalgeschützten Hof ist der Kindergarten von Neualbenreuth untergebracht, eine praktische und sinnvolle Verwendung dieses wunderbaren Gebäudes.

Am Ortsende folgen Sie dem Fuß- und Radweg, der parallel zur Straße nach Waldsassen verläuft. Auf der Anhöhe sehen Sie rechterhand das Hackschnitzelheizwerk, ein nach dem neuesten Stand konzipiertes Biomasseheizwerk, das die Kuranlage rund um das Sibyllenbad und Teile von Neualbenreuth mit umweltfreundlicher Wärme versorgt.

Eine moderne Großkesselanlage gewährleistet den vollständigen Ausbrand. So werden kaum Schadstoffe wie Stickoxide oder Schwefel freigesetzt. Das Biomasseheizwerk ist zudem unabhängig von einem einzelnen Energielieferanten und es besteht die Möglichkeit, auch andere nachwachsende Rohstoffe wie Stroh oder Gräser zu verfeuern. Und es bietet eine zusätzliche Einnahmequelle für Holzbauern, die die Hackschnitzel, die Abfallprodukte aus der Waldpflege, verkaufen können. Somit müssen keine Brennstoffe extra gekauft werden.

Am Sibyllenbad
Am Sibyllenbad

Folgen Sie nun dem Fuß- und Radweg nach links ins Kurgebiet Sibyllenbad. Sie können dem Weg bis zum Bad folgen oder gemütlich durch den rechterhand liegenden Kurpark schlendern. Dieser liegt auf dem höchsten Punkt des gesamten Kurgebietes und bietet Ihnen einen schönen Rundblick über die herrliche Landschaft. Wenn Sie dem Fußweg entlang laufen, kommen Sie vorbei am Appartement-Hotel und am Hotel Pyramide. Nun erreichen Sie das Kurmittelhaus Sibyllenbad mit dem angebauten BadeTempel und der Sauna- und Wellnesslandschaft.

Nach dem Sibyllenbad gehen Sie noch einige Meter, bis nach links eine Teerstraße abbiegt. Dieser folgen Sie bis zur nächsten Kurve. Dort gehen Sie von der Straße ab und laufen geradeaus hinunter ins Tal. Unten angekommen, wenden Sie sich nach links und laufen durch das Gedankental und mit dem Gedankentalpfad zurück nach Neualbenreuth.


Der Gedankentalpfad

Die Stationen:
– Grenze
– Freundschaft
– Europa
– Gemeinsamer Weg


Flyer herunterladen:

  Neualbenreuth, Sibyllenbad und das Gedankental (2,0 MiB, 120 hits)

 

 

© Marktgemeinde Neualbenreuth; Änderungen vorbehalten; 
Stand: August 2015

 

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