Rund um den Grenzlandturm

Selbstgeführte Wanderung – Neualbenreuth zum Kennenlernen


KENNZEICHNUNG:
violetter Punkt

STRECKENVERLAUF:
Neualbenreuth – Schönstatt-Kapelle – Grenzlandturm – Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 2 Stunden; ca. 4,5 km; Höhenunterschied ca. 110 m


Die Wanderung beginnt in Neualbenreuth auf dem historischen Marktplatz mit seinen Egerländer Fachwerkhäusern. In der Alten Posthalterei sind die Gäste-Information und das Heimatmuseum des Heimatkreises Marienbad untergebracht. Die Grenzlandheimatstube zeigt gerettetes Heimatgut, z.B. Erinnerungsstücke, alte Kommoden, Schränke, Trachten, Urkunden, Geschirr und Hausrat aus dem Egerland.

Auch sakrale Gegenstände, wie Teile aus der Kirche in Maiersgrün, Versehgarnituren, Votivbilder, Kreuze, Leuchter und vieles mehr weisen auf die tiefe Religiosität hin. Zusätzlich werden Andenken, Chroniken, Dokumente, historische Ansichten von 59 Orten im ehemaligen Kreis Marienbad ausgestellt.

Gegenüber der Gäste-Information befinden sich das Rathaus und der Sagenbrunnen.

Das Rathaus wurde im 18. Jahrhundert von der Stadt Eger erbaut und 2013/14 komplett renoviert. In den Archiven wird es als Herrenhaus bezeichnet. Von 1830 bis 1910 gingen hier die Neualbenreuther Kinder zur Schule.

Die Tillenstadt am Sagenbrunnen
Die Tillenstadt am Sagenbrunnen

Der Neualbenreuther Sagenbrunnen wurde vom Bildhauer Günter Mauermann geschaffen. Es ist ein aus dem ansteigenden Gelände heraus modellierter Brunnen. ”Von der Höhe her dezent, strahlt der Brunnen durch sein subtiles Formenspiel dennoch stark in den Raum hinein.” (G.Mauermann) 

Der Brunnen zeigt den Tillenberg durchbrochen und durchlässig. Aus dem Inneren taucht die sagenhafte Tillenstadt in all ihrer Pracht auf. Zu Füßen des Massivs kauert Sibylle Weiß, die weise Frau und Seherin, die dem Sibyllenbad seinen Namen gab. Einige Figuren des sagenumwobenen Tillen sind in den Granitstein gehauen. So lassen sich die Tillenzwerge, die Pascherin und der Dudelsackpfeifer finden. An einer Seite kann man die Figur des Berggeistes vom Tillen erkennen. Man erzählt sich, dass am Tillen ein Riese wohnte, bekleidet mit grünem Samtmantel, Hosen, die mit Granaten besetzt waren und einem grauen Schlapphut. Der Riese war ein guter Geist, der auf dem Rücken einen Ledersack mit Geschenken für bedürftige Waldbewohner trug.

Mehr Literatur dazu gibt es in der Gäste-Information. Die Durchlässigkeit des Berges symbolisiert die neue Nachbarschaft zu Tschechien. Der Tillenberg ist mit der 1865 von k. u. k. Landvermessern erstmals errichteten und 1985 neu errichteten Granitsäule „Mittelpunkt Europas” zur Brücke zwischen dem Stiftland und dem Egerland, zwischen Bayern und Böhmen geworden.

Vom Marktplatz aus gelangen Sie zu unserer Pfarrkirche „St. Laurentius”. Links nach dem Eingangstor befindet sich die 1907 erbaute Lourdes-Grotte. Sie zeigt im Altarraum eine höhlenartige Darstellung des Originalortes in Frankreich. Die Schlackensteine stammen wahrscheinlich aus dem Vulkan Eisenbühl. Seit Jahren findet hier der evangelische Gottesdienst in der Gemeinde statt.

Wenige Meter rechts nach dem Haupteingang zum Friedhof befindet sich in der Friedhofsmauer eine geglättete Granitplatte mit sieben Halbschalen, der sogenannte Öl- oder Lichterstein. Vor etwa 500 Jahren wurde darin Leinsamenöl für die armen Seelen geopfert und verbrannt.

Der "Dom der Frais(ch)"
Der „Dom der Frais(ch)“

Dem Weg folgend erreichen Sie den Haupteingang der Kirche an der Nordseite. Man erzählt sich, dass die mächtige Kirche als Antwort der Egerer Herrschaft auf den Bau der Stiftsbasilika in Waldsassen erbaut wurde. Die Kirche in Neualbenreuth ist dem Schutzheiligen der Ewigen Stadt des Christentums „St. Laurentius“ geweiht. Sie wird wegen ihrer stattlichen Größe auch „Dom der Fraisch” genannt.

Die erstmalige Erwähnung der Pfarrei finden wir im Jahre 1286. Sie unterstand von Beginn an dem Dekanat Eger. Nachdem die Holzkirche einmal von den Hussiten und einmal von den Kosaken eingeäschert worden ist, wurde der Steinbau mit großer Unterstützung der Stadt Eger von 1730 bis 1733 errichtet.

Der Ort Neualbenreuth selbst ist 1284 erstmals urkundlich erwähnt und wurde 1591 mit dem sogenannten „Fraisch-Rezess” (Fraisch = Blutgericht) jährlich wechselnd dem Stift Waldsassen (Bayern) und der Freien Reichsstadt Eger (Böhmen) unterstellt. Erst 1862 kam der Ort endgültig an das Königreich Bayern.

Im Innern prachtvoll ausgeschmückt, finden Sie in der Pfarrkirche den Blend- oder Scheinaltar mit Altarbild und Deckengemälde, das vom Martyrium des Heiligen Laurentius erzählt, künstlerisch wertvolle Holzstatuen, eine Orgel mit Schutzmantelmadonna, herrliche Deckengemälde, eine sehr wertvolle Stiftländer Taufgruppe und die schöne Barockkanzel.

Wenn Sie die Kirche wieder verlassen, nehmen Sie den Weg geradeaus über den Friedhof, dann links zum Neubaugebiet „Am Kirchberg”.

Den Spaziergang setzen Sie nach links in Richtung Hauptstraße fort. Von dort genießen Sie den Blick nach Altmugl am Fuße des Tillenberges, über das Url- und Muglbachtal, sowie den Golfplatz, bis hin zur Wallfahrtskirche Kleine Kappl, eine Barock- und Rokokokirche mit prächtiger Ausstattung, die dem Heiligen Sebastian geweiht ist.

Nun wenden Sie sich nach links und kehren in den Ort zurück. Das erste Gebäude rechts ist ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1910. Darin befindet sich heute der Kindergarten. Von 1910 bis 1971 war hier die Schule des Ortes untergebracht. 1976 nahm eine Elterngemeinschaft den Kindergarten in Betrieb. Heute sind für zwei Gruppen mit je 25 Kindern und eine Kinderkrippe ausreichend Räume vorhanden. Das denkmalgeschützte Gebäude hat damit eine sinnvolle Verwendung bekommen.

Einige Meter nach dem Kindergarten wenden Sie sich nach rechts und gehen durch eine kleine Pforte in der Mauer den Urlsteig hinab zum Urlbach. Hier laden Bänke und ein Brunnen zum Verweilen ein. Unten angekommen überqueren Sie die Brücke und spazieren einen kleinen Pfad entlang des Urlbaches links bis zur Hauptstraße.

Hier wenden Sie sich nach rechts und folgen etwa 100 m der Tirschenreuther Straße. Am Ortsende biegen Sie links in den Quergraben ein. Rechts und links des Weges findet man hier alte Lagerkeller, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Sie sind meist aus dem Fels herausgehauen und zum Teil am Eingang gemauert. Die Länge beträgt ca. 5-12 m. Früher waren die Keller zum Einlagern der Lebensmittel im Winter überlebenswichtig.

Am Ende des Quergrabens stoßen Sie wieder auf die Teerstraße, dort biegen Sie rechts ab und gehen bergauf.

Die nächste Station auf dem Rundgang ist die Schönstatt-Kapelle. Diese Kapelle der Dreimal Wunderbaren Mutter und Königin von Schönstatt geht zurück auf ein Marterl, das am 15.05.1967 eingeweiht wurde. Zum 10-jährigen Jubiläum 1978 erbauten Familien diese Schönstatt-Kapelle. „Ein Kind Marias geht niemals verloren” – in dieser Vorsehung sind sie überzeugt, dass die Gottesmutter jedem von Schönstatt ein Bündnis der Liebe anbietet. Im Inneren der Kapelle hängt ein Gnadenbild der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt. Vor der Kapelle steht ein Gedenkstein mit der Inschrift „Pater Josef Kentenich Gründer der Schönstattbewegung” und einem Bild des Paters.

Neben der Kapelle rechts führt ein Weg geradeaus in den Wald hinunter zur Fischzucht Becker, wo Sie bei entsprechender Witterung frisch geräucherte Forellen essen können. Weiter geht es entlang an Wiesen und Feldern auf der Teerstraße hinauf zum Grenzlandturm.

Der Grenzlandturm konnte nach mühevollem Einsatz und mit großer Eigenleistung am 4. Juni 1961 mit einem Festprogramm eingeweiht werden. Er ist zu einem Symbol für Freiheit und Heimattreue geworden. Zudem drückt er die Verbundenheit mit den Landsleuten aus dem Egerland aus. Getragen wird der Turm von der Arbeitsgemeinschaft Grenzlandturm, der die Sudetendeutsche Landsmannschaft, der Oberpfälzer Waldverein, der Egerer Landtag, der Heimatverband der Marienbader, der Fremdenverkehrsverein und die Gemeinde Neualbenreuth angehören.

Im Garten des Turmgeländes steht in einem Pavillon im Maßstab 1:6 das Modell des Tillenschutzhauses des Deutschen Alpenvereins der Sektion Eger, das bis 1945 am Tillenberg stand. Außerhalb des Turmgeländes befindet sich ein Kinderspielplatz.

Kapelle Maria Frieden
Kapelle Maria Frieden

Am Grenzlandturm vorbei geht es wieder abwärts. Zur Rechten sehen Sie eine weitere Kapelle mit einem Gedenkstein. Es ist die Kapelle „Maria Frieden”. Im Juni 1963 erfolgte die Einweihung der Kapelle. Sie drückt den Friedensgedanken in unmittelbarer Grenznähe aus. 1967 wurde vom Egerer Landtag rechts neben der Kapelle ein Ehrenmal für die Toten, Gefallenen, Vermissten und Opfer der Vertreibung errichtet. Dieser Gedenkstein beinhaltet folgende Inschrift: ”Unseren Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung”. Darunter ist das Wappen der Stadt Eger angebracht.


Das Egerländer Fachwerk und seine Zeichen

Die Sonnenstrahlen stehen für Freude und Leben. Sie wurden häufig als Symbol in den Sonnentoren angebracht.
Der Sechsstern soll Glück bringen.
Die Hexenraute soll die Hexen beirren und vom Haus abhalten.
Die Todesrune soll den Tod abhalten.
Die Lebensrune soll ein langes Leben, viele Kinder und natürlich den Hoferben bescheren.
Das Mal- oder Andreaskreuz soll vermehrten Besitz herbeibringen, Gesundheit und Wohlergehen der Familie erhalten.

Im Ort wieder angekommen wandern Sie zurück durch das das sogenannte „Obere Dorf“ mit seinen typischen Egerländer Vierseithöfen. Vom fränkischen Fachwerkbau abgewandelt, entwickelte sich ein eigener „Egerländer Stil”, der sich heute in und um Neualbenreuth bis hinein nach Tschechien erhalten hat. Es wurden zuerst nur die Bürgerhäuser in den Städten mit Fachwerk verziert, später schmückte man auch die Bauernhäuser in den Dörfern damit. In Neualbenreuth waren einst sehr viele Häuser mit Fachwerk gebaut, einige fielen dem Feuer zum Opfer, andere wurden einfach verputzt oder abgerissen.

Schon früher waren diese Fachwerkbauten beliebte Anziehungspunkte für Besucher. Auch heute noch weisen sie auf die einstigen Beziehungen zum Egerland hin. Außerdem zeugen sie von einer hohen Zimmermannskunst. Als Baumaterial diente Fichtenholz, das etwa ein halbes Jahr lagerte, bevor es mit einem Breitbeil bearbeitet wurde. Das war meist eine Arbeit in der Tenne während der Wintermonate. Der Giebel wurde auf dem sogenannten Reißbodenzugerichtet. Die Balken wurden mit Holznägeln verbunden und mit Ochsenblut getränkt, das nicht nur die vorschriftsmäßige Farbe bestimmte, sondern das Holz auch haltbar und wetter-beständig machte. Die Gefache, der Raum zwischen den Balken, wurden mit Ziegeln oder Lehm ausgefüllt und verputzt. Die Balken bzw. die Gefache wurden nicht willkürlich, sondern nach strengen Gesetzen angeordnet. Es wurden germanische Zeichen verwendet, die teils Glück bringen, teils die bösen Geister abhalten sollten.

Ein ganz besonderer Brauch war das Anbringen von Holzkreuzen an der Giebelseite, die alles Böse von der Familie fernhalten sollten. Auch in Nischen im Giebel und über gemauerten Torbögen gab es Holzfiguren, z.B. den heiligen Florian, der vor Blitz und Brand Schutz gewähren sollte.

Der Sengerhof
Der Sengerhof

Sie folgen der Turmstraße dorfeinwärts und wandern an weiteren Fachwerkhöfen vorbei. Der letzte Fachwerkhof vor dem Marktplatz ist der Sengerhof mit dem Dokumentationszentrum Fraisch. Dieser Hof wurde der Gemeinde Neualbenreuth vermacht. Nach intensiven Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten ist ein kleines Schmuckstück entstanden, in dem verschiedenste Veranstaltungen stattfinden und der zum Museum ausgebaut wurde.

Wieder zurück am Marktplatz endet der kleine Ausflug rund um Neualbenreuth.


Flyer herunterladen:

  Rund um den Grenzlandturm (3,5 MiB, 118 hits)

 

 

© Marktgemeinde Neualbenreuth; Änderungen vorbehalten; 
Stand: August 2015

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.