Von Eisenhämmer, Töpfern und Schindern

Selbstgeführte Wanderung – durch Siedlungs-, Bergbau- und Wirtschaftsgeschichte


KENNZEICHNUNG:
oranger Punkt

STRECKENVERLAUF:
Neualbenreuth – Platzermühle – Muglmühle – Alter Herrgott – Ernestgrün – Rothmühle – Golfplatz – Sibyllenquelle – Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 4-5 Stunden; ca. 14 km; Höhenunterschied ca. 170 m


Sie verlassen den Marktflecken Neualbenreuth in Richtung Tirschenreuth. Sie laufen ab dem Ortsende rechts auf dem gemähten Weg zur Platzermühle. Dort angekommen sehen Sie das „Helmhaus“, ein Musterbeispiel vorbildlich renovierten Egerländischen Fachwerkbaus. Giebel (egerländ. „Walln“ genannt) und Umschrott laden den interessierten Betrachter zum Verweilen ein. Die Gegend in und um Neualbenreuth gilt neben dem böhmischen Dorf Taubrath (Doubrova) in Tschechien als das Gebiet, in dem dieser typische Baustil als am geschlossensten und besten erhalten angetroffen wird.

Nach dem Fachwerkhof biegen Sie links in einen unbefestigten Feldweg ein, den alten „langen Weg“, der früher Teil des ehemaligen Altmugler Kirchsteigs als der kürzeste Fußweg von und nach Neualbenreuth war.

Die Flur, durch die Sie wandern, ist nach einem schon um 1300 wüstgefallenen Dorf benannt, welches Papst Lucius III. 1185 als „paffinrut“ dem Waldsassener Kloster mit Schutzbrief privilegierte.

Sie treffen auf eine Teerstraße, den neuen „langen Weg“. Vor Ihnen befindet sich ein Damwildgehege und im Hintergrund sehen Sie das „Strouhkreuz“, das an einen tödlichen Blitzschlagunfall im Juni 1940 erinnert.

Zwischen Wiesen und Feldern
Zwischen Wiesen und Feldern

Auf der Teerstraße wenden Sie sich nach rechts und sehen nach einer kleinen Steigung links in den Feldern die Umrisse des „Steppenlochs“ – einst Einstiegsgeländer in die Schachtanlagen der hiesigen Gold- und Silberbergwerke. An der Hauptstraße angekommen, überqueren Sie diese und betreten den „Nigerlweg“. In dem kleinen Wäldchen linkerhand kann man noch die alten Graben- und Schachtführungen – die sogenannte „Pinge Güldenstern“ – der Bergwerke erkennen.

Rechterhand bietet sich ein schöner Blick ins Muglbachtal und auf den Ort Ernestgrün. Sie folgen der Teerstraße bergab, über die Brücke des Muglbaches, jenes Gewässer, das so manchem unserer Vorfahren, dem Müller, Hammerschmied, Hafner, Köhler oder Fuhrmann Arbeit und Brot gegeben hatte.

Während Sie auf der rechten Seite der Nigerlwald begleitet, grüßen links der Tillengipfel und der Ort Altmugl.

Mit der Nigerlbuche am Ende der Teerstraße treten Sie ein in den Egerer Hochwald und folgen im angenehmen Schatten des Muglner „Mühlsteigs“ den Weg hinauf zur Muglmühle. Im Volksmund „Rumpelmühle“ genannt ist sie die erste ihresgleichen am Muglbach.

Die hier wohl schon ausreichende Wasserkraft des Muglbachs mag den Ausschlag für Namen und Standort gegeben haben. Im weiteren Lauf des Baches wurde seine Energie noch vielerorts lange nach dem 2. Weltkrieg genutzt: an der „roten Mühle“ beim Schloßhotel, in der Rennermühle, der Habertsmühle, der Troglauer- oder Burgmühle und der Mühle in Maiersreuth. Ab dort hat das Gefälle so stark abgenommen, dass eine Nutzung nicht mehr möglich war.

Die Bezeichnung „Mugl“ leitet sich her vom slawischen „mohyla“ und bedeutet „Hügel“. Der Bach scheint diesen Namen mitgenommen zu haben bis fast zu seiner Mündung bei Hatzenreuth. „In der Mugl“ heißt die dortige Flur, durch die früher viele Wallfahrer nach dem naheliegenden Loreto bei Altkinsberg gezogen sind. Und sie behaupteten, der „Bach Cedron“, wie der Muglbach von ihnen hier genannt wurde, fließe nicht abwärts, sondern bergauf. Diese gelungene optische Täuschung bietet sich dem  Grenzwanderer heute noch.

Muglbach-Wasserfall
Muglbach-Wasserfall

Dem Wanderweg an der Muglmühle vorbei folgend, hören Sie nach einigen Metern das Plätschern des Wasserfalls, an dem der Bach seinen Anfang findet. Bedenkenlos können Sie sich einen Schluck Quellwasser gönnen und die angenehme Atmosphäre rund um den Wasserfall genießen.

Weiter geht es bergauf. Das nächste Ziel ist die Waldkapelle Alter Herrgott, die idyllisch an einer Wegkreuzung zum Verweilen und zum Gebet einlädt. Dazu folgen Sie an der Weggabelung, an der Sie der orange Punkt nach rechts führen würde, der Markierung weiß-blau-weiß einige Meter hinauf.

Diese kleine Waldkapelle gilt als eine der schönsten und zugleich ältesten in der Oberpfalz. Sie gehörte zur Gemeinde Poppenreuth (Markt Mähring), blieb aber dem Kirchsprengel Wondreb (heute Stadt Tirschenreuth) zugeteilt. Das Original des Votivbildes wurde leider im Jahr 1972 gestohlen, worauf die übrigen Einrichtungsgegenstände durch Nachbildungen ersetzt wurden – auch „Gott Vater mit der Weltkugel“.


Die Sage vom Alten Herrgott
Der Sage nach verirrte sich hier der Edelmann Magnus Bartls, der in der Wildnis des Tillenwaldes auf Jagd war. In seiner Verzweiflung und Not tat er ein Gelübde, dass er an der Stelle, an der Gott Hilfe schickt, eine Kapelle erbauen würde. Daraufhin erschien ihm ein Hirsch mit einer Kerze zwischen den Geweihstangen und führte ihn sicher bis zum Waldrand, wo das Wild verschwand. Sein Jagdhorn hatte der auf diese Weise Gerettete dort vergessen, wo ihm der Hirsch erschienen war, so dass er zurückkehren konnte, um sein Versprechen einzulösen.


Der weiß-blau-weißen Markierung wieder bis zur Weggabelung folgend, wenden Sie sich nun nach links wieder auf die Markierung des orangen Punktes. Sie kommen vorbei an einem Baumbild, dem alten „Laurenzibild“ und dem Waldsassener Wasserhäuschen.

Dem Waldweg folgend entdecken Sie links vor einer Wegkreuzung einen wuchtigen Felsen, den Froschfelsen. Vom richtigen Blickwinkel im Vorbeigehen betrachtet, sitzt dieser gut 300 Mio. Jahre alte Bänderschieferklotz tatsächlich da wie ein überdimensionaler Frosch.

Weiter auf dem Forstweg kommen Sie vorbei am „Büberl-Bild“, errichtet nach der glücklichen Wiederentdeckung eines verirrten Ottengrüner Hirtbuben um 1890 neben einem verlassenen Kohlenmeiler.

Nach einer scharfen Abbiegung nach rechts steht – links im Wald versteckt – das Netsch-Kreuz. In einen alten bayerisch-egerischen Grenzstein ist hier eine kleine Nische eingearbeitet, worin ein Herz-Jesu Bild angebracht ist. Darüber eingemeißelt ist ein vierteiliges Kleeblatt, und obenauf steht ein schlichtes schmiedeeisernes Kreuz. An dieser Stelle ereilte um 1860 den stadtegrischen Revierförster Christoph Netzsch der Tod. Dieser Förster hatte den Grenzverlauf zwischen Bayern und Böhmen gemäß des Wiener Vertrags mit festgelegt.

Teichlandschaft
Teichlandschaft

Sie setzen Ihren Weg bergab fort. Unten angekommen, folgen Sie der Markierung hinab zum Forellenteich, dem Beginn eines Wasserführungssystems, dessen heute trockengefallene Gräben und Dämme noch daran erinnern, wie unsere Vorfahren auf einer Länge von gut 2 km parallel zum Muglbachlauf abwärts mit jedem Zentimeter Wassergefälle gegeizt haben – zum Betrieb Ihrer Mühlen und Sägen, Hammer-, Poch- und Walzwerke und zur Speisung eines echten Hochofens. Auf die grasverwachsenen Überreste trifft man am Ende des Waldes. Die Hausnummer 1 – ein kleines Holzhäuschen mit dem hl. Florian am Vordergiebel – gehörte zum Rittergut Ottengrün und beherbergte noch bis zum 19. Jahrhundert eine Schneid- und Brettersäge.

Auf der Teerstraße kommen Sie nach Ernestgrün. Hier finden sich einige berufsgeprägte Hausnamen: „Kohlveitel“, „Kohlhöfner“, „Hammerschmied“, „Nagelschmied“, „Hafner“. In der Ortsmitte wandern Sie nach rechts bergab und gelangen in das nächste Dorf – auf die Rothmühle, wohl benannt nach den roten Ziegeln seiner früheren Gemäuer.

Hier fällt sofort ein großer, schlossartiger Gebäudekomplex auf, der einst von der Adelsfamilie der Werndl von Lehenstein bei Eger errichtet wurde und 1852 von dem Ottengrüner Gutsbesitzer Florentin von Glaß zu einem herrschaftlichen Guts- und Sommersitz ausgebaut worden ist. Der letzte Umbau erfolgte 1892 durch den Besitznachfolger Wilhelm von Günther. Das Hauptgebäude, das eigentliche Schloss, erhielt damals durch angebaute Türmchen ein vornehmes Gepräge und diente bis zu seiner heutigen Verwendung als Restaurant und Hotel den Ottengrüner Gutsherrschaften und ihren Familien als Ruhe- und Erholungssitz. Durch die Bäume des Schlossparks sehen Sie den restlichen Ort Rothmühle.

Schloß Ernestgrün - ehem. Hammergut
Schloß Ernestgrün – ehem. Hammergut

Sie überqueren nach dem Schloßhotel die Tirschenreuther Straße und folgen weiter dem orangen Punkt. Nach einer Brücke befindet sich linkerhand der Übungsplatz des Golfclub Stiftland e.V. Am Ende dieses Übungsplatzes befindet sich die Katharinenquelle, die radonhaltige Heilquelle, aus der die Radonbäder im Sibyllenbad gespeist werden.

Der 18-Loch-Golfplatz schließt sich an den Übungsplatz an und zählt zu den schönsten Plätzen der Oberpfalz. Nach einigen Metern biegt der Weg nach rechts ab und führt Sie direkt an der Sibyllenquelle vorbei, der zweiten Heilquelle des Sibyllenbades mit kohlensäurehaltigem Heilwasser.

Über eine kleine Brücke rechts neben dem Brunnenhaus kommen Sie über die „Mühläcker“ in Neualbenreuther Flur – genauer gesagt „in die Url“. Die Bezeichnung der Wiesen und Felder am „Urlbach“ stammt von „Urtl“, also „Urteil“. Diese Grundstücke müssen früher einmal in einen bedeutenden Gerichtsstreit mit Urteilsspruch verwickelt gewesen sein, so dass dies als Flurname bis heute noch nachwirkt.

Der Weg führt nun wieder zurück nach Neualbenreuth.


Flyer herunterladen:

  Von Eisenhämmer, Töpfern und Schindern (4,2 MiB, 120 hits)

 

 

© Marktgemeinde Neualbenreuth; Änderungen vorbehalten; 
Stand: August 2015

 

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