Zu Marterln, Feldkreuzen und Kapellen

Selbstgeführte Wanderung – unter dem Zeichen des Kreuzes


KENNZEICHNUNG:
roter Punkt

STRECKENVERLAUF:
Neualbenreuth – Gedankental – Troglauermühle – Maiersreuth – Poxdorf – Wernersreuth – Motzersreuth – Schachten – Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 5 Stunden; ca. 15 km; Höhenunterschied ca. 150 m


Vom Marktplatz aus wandern Sie erst auf der Straße an der Pfarrkirche vorbei Richtung Waldsassen bis zum Ortsende. Beim steinernen Kreuz geht es auf einem Feldweg weiter zur Habertsmühle. Dort halten Sie sich rechts und gelangen an Fischteichen vorbei ins Gedankental.

Im Gedankental
Im Gedankental

Der Weg verläuft jetzt als schmaler Steig immer an der Hangkante des Kirchenbergs entlang, oberhalb der weitgehend naturbelassenen Bachaue. Rechter Hand des Weges, auf der Erhebung, liegt das Kurgebiet Sibyllenbad. Im Sibyllenbad können Sie sich nach der Wanderung im warmen Mineralwasser herrlich erholen oder im Badetempel entspannen.

Sie wandern weiter und lassen den Ahorn-Eichenwald hinter sich. Oberhalb der Troglauermühle weist ein Holzschild auf die ehemalige Bergbautätigkeit mit seinem Goldabbau im Burgholz hin.

Einer Sage nach hatte im Burgholz, am Muglbach, der Zwergenkönig seine Residenz. Die Hauptfundstelle von Gold, das bergmännisch gewonnen wurde (Goldseifen), war im Burgholz, das sog. „Neu Gebäude“, das vermutlich 1576 seinen Betrieb aufnahm. Vor etlichen Jahrzehnten (wahrscheinlich 1898) sorgten zwei unternehmungslustige Muter (Bergbautreibende) für Aufsehen, die versuchten, den verfallenen Stollen des alten Goldbergwerks auf etwa 50 Meter wieder auszugraben, um die goldhaltige Quarzader zu finden.

Nun geht es steil hinab auf dem Weg, der Sie, immer am Hang oberhalb des Muglbaches, nach Hardeck führt. Bei einem kleinen Fischteich sehen Sie durch Bäume hindurch das erhaben auf einem Fels erbaute Schloss Hardeck.


Das Schloss Hardeck
Das Schloss bzw. die Burg Hardeck erhebt sich auf einem Phyllitfelsen, der nach Süden ins Tal des Muglbaches steil abfällt. Es ergibt sich dadurch mehr Burg- als Schlosscharakter.
Die Entstehung fällt vermutlich ins 11./12. Jahrhundert. 1316 wurde die Burg von Landgraf Ulrich von Leuchtenberg mit allen Zugehörigkeiten an Abt Johann III. vom Kloster Waldsassen verkauft, der diese zu seiner Wohnstätte machte. Damit erwarb das Kloster auch alle Lehen, die zur Burg gehörten: neun Lehen in Neualbenreuth, Güter in Gosel, Altalbenreuth und Drasnitz, sowie die Orte Schachten, Boden und Mugl. Wegen großer Schulden war der Nachfolger von Johann III., Abt Franz Griebel, gezwungen, neben anderen Stiftsgütern auch Hardeck mit den dazugehörigen Orten zu veräußern. Es ging über in den Besitz eines Egerer Bürgers und ein Jahrzehnt später konnte es Abt Nikolaus mit der Hilfe des Kaisers wieder zurückkaufen.
Nachdem 1430 die Hussiten das Kloster völlig ausgeraubt hatten, wurde Hardeck samt der dazugehörigen Dörfer abermals verkauft. Das Bauwerk hatte im 30jährigen Krieg stark gelitten. Abt Albert Hauser ließ es 1708 in seiner jetzigen Form wieder herstellen. Die Klosterherren weilten hier und im Lustschlösschen des Gartens oft und gern und nutzten es als Sommersitz.
Seit 1360 bildete die Burg Hardeck einen Gerichtssprengel des Stifts Waldsassen, also einen Sitz des Klostergerichts. In einem Gebäude, neben der Burg bergauf, ist heute noch das Gefängnis ersichtlich.
Eine Inschrift auf einer Tafel über der Tür lautet: „Operantibus praefecturae subditis aedes istae justiae funditus structae sunt“ – d.h. Unter Mitarbeit der Untertanen des gesamten Amtsbereiches wurde dieses Gerichtsgebäude von Grund auf errichtet.
Diese Inschrift bezieht sich auf den Bau des Gerichtsgebäudes unter Abt Alexander Vogel im Jahr 1754.
Bis zur Säkularisation im Jahr 1802 blieb Hardeck beim Kloster Waldsassen, dann wurde es verstaatlicht. Die Grundstücke wurden verkauft, ebenso die Wirtschaftsgebäude, die Mühle, die Säge, das Forsthaus und das Gerichtsgebäude. Die Burg selbst war von 1803 bis 1847 vermietet. Dann wurde sie von dem Färbermeister Johann Ruderer gekauft, der eine Färberei einrichtete, die bis 1905 bestand. 1873 erhielt dessen Schwiegersohn Johann Söllner das Schankrecht und betrieb eine Gastwirtschaft, die auch von seinen Nachfahren noch weiter betrieben wurde. 


Sie gehen zwischen einigen Häusern hindurch und gelangen zu einer Eiche, bei der Sie sich scharf nach links halten. Im Tal wandern Sie am Bach entlang nach Maiersreuth. In Maiersreuth wurde im Jahr 1989 das Medizinische Badehaus Maiersreuth als Pilotprojekt zur Entwicklung des Kurgebietes Sibyllenbad eröffnet. Das Badehaus wird heute leider nicht mehr genutzt.

Ruheplatz mit Aussicht
Ruheplatz mit Aussicht

Von Maiersreuth bis nach Poxdorf ist der Weg nun identisch mit dem Nurtschweg, dem Europaweg E6 von der Ostsee zur Adria, der von Waldsassen nach Waldmünchen durch den Oberpfälzer Wald hindurch führt.

Durch Felder wandern Sie bergan. Äcker und Wiesen, dazwischen eingebettet die kleinen Dörfer und die Wallfahrtskirche Kleine Kappl, bilden für Sie die Kulisse. Nach ca. 20 Minuten gelangen Sie in den schattenspendenden Wald. An einer Weggabelung halten Sie sich rechts und gehen auf leichtem Anstieg weiter, bis der Wald wieder lichter wird.

Sie erreichen eine kleine Kapelle, die Fritschen-Kapelle. Sie ist gut zwei Meter im Geviert, schnörkellos und einfach in der Bauausführung. In frischem Weiß und mit leuchtend roten Ziegeln hebt sich die Flur- und Hauskapelle vom satten Grün des Waldrandes ab. Sie ist ostwärts gewandt und steht auf einem Feldrain, dem nach ihr benannten Kapellenfeld. Wohl im 19. Jahrhundert wurde sie vom damaligen Besitzer des Fritschenhofes errichtet. Den Innenraum ziert ein schlichtes Holzkreuz mit Metallkorpus. Die Aufschrift auf der Front des Altartisches nennt die mögliche Widmung der Kapelle: „Jesus – Heiland – Seligmacher“. Sie ist also eine Christuskapelle, die schon viele Jahrzehnte erhaben über der gesamten Flur segenbringend thront. Die Türe ist zwar verschlossen, doch eine Bank am Waldrand dahinter lädt zur beschaulichen Rast ein. Hier haben Sie wieder den Ausblick über die Kulturlandschaft der Neualbenreuther Senke bis hin zum wilden Waldgebirge, das den Grenzkamm zur Tschechischen Republik bildet.

Sie wandern weiter zur Einöde Panzen. Hier geht es auf der Fahrstraße rechts hinab nach Poxdorf. An Tagen mit guter Fernsicht bietet sich von hier ein Blick weit hinein ins Egerland. Wir sehen Altkinsberg mit der ehemaligen Wallfahrtskapelle Maria Loreto, dahinter das Egerer Becken, und am Horizont bauen sich die waldbedeckten Höhen des Kaiserwaldes auf.

Der Weg führt steil bergab in den Weiler Poxdorf und auf der gegenüberliegenden Seite ebenso steil wieder hinauf. Oben am Waldrand, an einem schönen lauschigen Plätzchen, wiederum mit guter Fernsicht, erwartet Sie eine Bank zur jetzt wohlverdienten Rast.


Wolfsmarter
Der hölzerne Bildstock mit einer Marienfigur in einer Nische wird „Rote Marter“ oder „Wolfsmarter“ genannt.
Die Bezeichnung „Rote Marter“ oder „Rotes Kreuz“ ist in der Oberpfalz noch relativ häufig zu finden, vornehmlich in den nördlichen und mittleren Landkreisen. Zum Teil tragen ganze Waldabteilungen diese Namen, abgeleitet von noch vorhandenen bzw. ehemaligen existierenden Flurnamen. Über die Bedeutung der „Roten Kreuze“ bzw. „Roten Martern“ gibt es unterschiedliche Meinungen.
Bei der „Roten Marter“ hier, an der alten Straße von Wernersreuth nach Waldsassen, soll ein Wolf ein in Poxdorf geraubtes Kind an dieser Stelle wieder verloren haben.
Er trug das Wickelkind samt dem Kissen fort, das die Eltern, die gerade beim Heuen waren, unter einem Baum abgelegt hatten. Während der Wolf davoneilte, mit dem Kissen im Maul, rutschte das Kind heraus. An der Stelle, wo die Eltern das Kind wieder fanden, steht heute der Bildstock.
In einer alten Urkunde ist verbürgt, dass 1604 ein Egerer Wildschütz auf Ottengrüner Grund einen Wolf erlegte.
Noch vor 150 Jahren sollen Bär und Wolf auf freier Wildbahn anzutreffen gewesen sein. Wölfe und Bären hatten sich besonders im 30-jährigen Krieg derart vermehrt, dass von der Obrigkeit Prämien für die Erlegung ausgesetzt wurden. Orts- und Flurnamen, wie z.B. Bärnau, Bärenhau oder Bärenwinkel, bezeugen das häufige Auftreten dieser Tiere.
Während bis 1830 noch jährlich mehrere Bären erlegt wurden, kamen Wölfe nur noch vereinzelt vor. Ein großer Wolf, der über zwei Jahre mordend durch die Oberpfalz gezogen war, konnte 1853 bei Vilseck gestellt werden.


Sie verlassen den Nurtschweg und wandern links weiter, zuerst am Waldrand, dann durch laubholzreichen Wald bis zur alten Straße, die von Wernersreuth nach Waldsassen führt. Direkt an der Kreuzung sehen wir eine alte Marter, die Wolfsmarter.

Nach links, zuerst leicht ansteigend, später bergab, an einem Sägewerk vorbei, gelangen wir nach Wernersreuth. Eingangs des Dorfes, auf der rechten Seite, befindet sich ein großes hölzernes Kreuz.


Wegkreuz für eine erfroren Dorfbotin
In früherer Zeit war es den rüstigen, älteren Frauen aufgetragen mit Buckelkorb und zu Fuß so manchen Tausch-, Kauf- oder Abholauftrag in der nahen Stadt Waldesassen gegen bescheidenen Lohn zu erledigen, Sommer wie Winter. Auch die damalige Wernersreuther Dorfbotin – die alte Waldsassener Straße heraufkommend – stapft durch meterhohen Schnee und trotzt dem Sturm. Sie ist froh, bald das Heimatdorf zu erreichen. Die rettenden Häuser schon in Reichweite ereilt sie das Schicksal: Sie fällt bewusstlos in den Straßengraben und erfriert. Zwei am Abend heimkehrenden Holzfäller sehen gerade noch eine Ecke des geflochtenen Buckelkorbes aus der Schneewehe herausschauen. An dieser Stelle wurde das Holzkreuz errichtet, das den vorbeikommenden Wanderer zum Gebet für die Verunglückte auffordert.


Das Wegkreuz für eine erfrorene Dorfbotin stand bei seiner Errichtung etwa zur Zeit des Ersten Weltkrieges noch außerhalb des Dorfes.

Das fast vier Meter hohe Holzkreuz trägt einen fast mannshohen Korpus, darunter steht Mutter Maria, ein dolchdurchbohrtes Herz in den Händen haltend. Beide Figuren sind sogenannte Blechschnittfiguren. Trotz wiederholter liebevoller Restaurierung durch die Besitzerfamilie Altnöder ist es dem nagenden Zahn des Rostes preisgegeben.

Wer Lust hat, kann von Wernersreuth aus einen Abstecher zur Allerheiligenkirche machen. Dazu wandern Sie von Wernersreuth aus in westlicher Richtung zwischen Felder, vorbei am Biogaswerk und am Hühnerstall, bis Sie kurz darauf die im Wald gelegene Kapelle erreichen. Für den Hin- und Rückweg rechnet man ungefähr 30 Minuten.

Feldkreuz
Feldkreuz

Wenn Sie der Markierung weiter folgen, gehen Sie durch Wernersreuth hindurch, an der Pfarrkirche vorbei, am Dorfplatz nach links hinauf und gelangen auf einem geschotterten Fahrweg auf eine Kuppe, auf der zwischen zwei Weiden wiederum ein Wegkreuz steht. Auf dem leicht abschüssigen Weg nach Motzersreuth bietet sich wieder ein wunderbarer weiter Blick über das Fraisch-Gebiet. In dieser gewachsenen Kulturlandschaft wechseln agrarisch genutzte Flächen ab mit kleineren Waldgebieten und von Bächen durchflossenen Talauen. Über dieser lieblichen und reizvollen Landschaft thront mächtig und geheimnisvoll der sagenumwobene Tillenberg.

Sie gehen zuerst steil bergab, dann wieder ansteigend, durch Motzersreuth hindurch, ein weiteres Kreuz, das Schöller-Kreuz passierend, zur Straße, die von Wernersreuth nach Neualbenreuth führt.

Dort angelangt gehen wir links auf dieser Richtung Neualbenreuth weiter. Nach etwa 400 m, kurz vor Schachten, biegen Sie rechts in einen Hohlweg ein und wandern durch den Ort am Dorfteich vorbei. Dort halten Sie sich links, verlassen den Ort und kommen an einer Kapelle vorbei wieder zur Hauptstraße. Diese überqueren Sie und wandern auf einem Feldweg zur Troglauermühle.

Durch das Gedankental und an der Habertsmühle vorbei gelangen Sie wieder zurück nach Neualbenreuth.


Allerheiligenkirche St. Magdalena
Die Allerheiligenkirche St. Magdalena, abseits im Wald auf einer Lichtung gelegen, ist das ältere, der zwei Wernersreuther Gotteshäuser.
Früher hauste dort ein Eremit, der in mönchischer Askese allein lebte, arbeitete und für die Gemeinde betete. 1656 soll eine Klause und eine hölzerne Kapelle gebaut worden sein.
Das Kirchlein „Zu Ehren aller Heiligen“ wurde im 18. Jahrhundert umgebaut und erneuert. Die Behausung des Einsiedlers hat man im 19. Jahrhundert abgerissen und das Holz einem Rosaller Tagelöhner zum Bau seines Hauses überlassen.


Flyer herunterladen:

  Zu Marterln, Feldkreuzen und Kapellen (2,0 MiB, 131 hits)

 

 

© Marktgemeinde Neualbenreuth; Änderungen vorbehalten; 
Stand: August 2015

 

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