Zurück in die Vergangenheit über die Bodener Flur

Selbstgeführte Wanderung – entlang der Grenze


KENNZEICHNUNG:
brauner Punkt

STRECKENVERLAUF:
Neualbenreuth – Grenzübergang – Neualbenreuth

DAUER / LÄNGE:
etwa 1 Stunde; ca. 3,5 km; Höhenunterschied ca. 40 m


Am Ende des Marktplatzes zwischen der Metzgerei Schöner und dem Katholischen Pfarrhof beginnen Sie Ihren Spaziergang die Schulstraße bergauf. Nach etwa 100 Metern erreichen Sie die Grundschule Neualbenreuth. Gegenüber am rechten Straßenrand steht in der Grünfläche das Garber-Kreuz, das aus Dank für eine Gebetserhörung hier 1872 errichtet wurde. Es ist zur Ehre Gottes gewidmet von Eva und Karl Rössler.

Nach dem Ortsschild laufen Sie zwischen den Feldern etwa 300 Meter bis zur Kurve. Dort steht links neben zwei Linden, das Röidl-Kreuz, das Zur Ehre Gottes für Lorenz und Katharina Angermeier, Gastwirtseheleute aus Neualbenreuth im Jahr 1902 errichtet wurde.

Genießen Sie auf der Bank den herrlichen Fernblick über die Landschaft um Neualbenreuth. Sie blicken auf die Kastanienallee, die Dörfer Hardeck und Motzersreuth, auf das Biomasseheizwerk, welches das Kurgebiet mit natürlicher Wärme aus Holzhackschnitzeln versorgt, den Kurpark und auf die Felder im Böhmischen. Von hier aus führt auch ein Feldweg nach links zum Kurgebiet.

Die Bodener Flur
Die Bodener Flur

Sie setzen Ihren Weg rechts auf der Teerstraße fort. Nach etwa 200 Metern gelangen Sie an die ersten weißblauen Grenzpfosten. Ein Holzschild macht auf das ehemalige Dorf Boden, das in dem kleinen Laubwäldchen etwa 600 Meter jenseits der Grenze lag, aufmerksam. Die erste urkundliche Erwähnung fand Boden 1316. In den Jahren 1945 und 1946 flohen die Bewohner in die meist benachbarten Orte auf bayerischer Seite. Die Häuser wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wegen der Grenznähe dem Erdboden gleichgemacht. Zu dem Dorf gehörten neun Bauernhöfe. Die Bewohner waren bis zum Fraischausgleich der Pfarrei Neualbenreuth zugehörig. 1858 kam das Dorf zur Pfarrei Altkinsberg, bis 1945 bestand aber eine enge Verbindung nach Neualbenreuth, so ging man in die Kirche nicht nach Altkinsberg, sondern nach Neualbenreuth.

Boden lag westlich am Fuße des Vulkans Eisenbühl. Weiter an der Grenze entlang, kommen Sie an das Holzschild mit dem Hinweis auf den eiszeitlichen Vulkan und die Flur „Schwarze Erde“ in 300 Meter Entfernung.


Der „Eisenbühl“
Der ausgebrannte Vulkan Eisenbühl stellt eine geologische Besonderheit dar. Mit der Faltung der Alpen, die in der Kreidezeit begann und bis in das ältere Tertiär andauerte (vor ca. 70 – 140 Mio. Jahren), gerieten auch die Schollen der alten Gebirgsmassen in Bewegung. Da sie zu einer Faltung nicht mehr elastisch genug waren, wurden die Gesteine gegeneinander verbogen, verschoben und übereinander gepresst. Es entstanden Spalten, Gräben, Brüche und Verwerfungen.
Die Begrenzung der östlichen Mittelgebirge (Steinwald, Oberpfälzer Wald und Bayerischer Wald) erfolgt weitgehend durch solche Störungslinien (Fränkische Linie). Durch diese Störungen konnte Material aus dem Erdinneren an die Oberfläche gelangen. Als Folge trat in der nördlichen Oberpfalz und in Westböhmen ein reger Vulkanismus zutage.
Heute noch andauernde Auswirkungen dieser vulkanischen Tätigkeit sind die Kohlensäuremineralquellen im Gebiet um Neualbenreuth, um Kondrau und im böhmischen Bereich. Auch die Entstehung des ausgebrannten Vulkans Eisenbühl geht auf diese Vorgänge zurück. 


Der "Eisenbühl"
Der „Eisenbühl“

Erstaunlich ist, wie weit der kleine, nur 25 m hohe Vulkan seine Ausbruchsmassen, besonders nach Norden und Osten, sandte. Seine Aschen und Steinmassen lagerten sich nicht nur auf den Abhängen des Rehbergs ab, sondern wurden bis Altalbenreuth getragen, wo sie in der Nähe des Dorfes einen mehrere Quadratkilometer großen, fruchtbaren Landstrich bildeten, dessen Flurname noch heute „Schwarze Erde“ lautet. Der unscheinbare Kegel des Eisenbühls ist dem Rücken des Rehbergs warzenartig aufgesetzt. An den westlichen Abhängen des Tillen (bei Kalmreuth), etwa fünf Kilometer vom Krater des Eisenbühl entfernt, lassen sich noch Eruptionsgesteine, wie zermürbte Wurfgeschosse und Splitter von muscheligem Augit, basaltische Hornblenden, kleine runde Lapilli, grüner Olivin u.a. nachweisen.


Goethe in Böhmen
Ein besonderer Tag für Boden und den Eisenbühl war Samstag, der 23. August 1823. An diesem Tag besuchte Deutschlands größter und berühmtester Dichter Johann Wolfgang von Goethe mit seinem engen Freund, dem Kriminalrat Josef Sebastian Grüner aus Eger, den Eisenbühl. Auszüge aus „Goethe in Böhmen“ von Johannes Urzidil und „Ein fast vergessenes Dorf …“ von Lorenz Weiß, Neualbenreuth: „ … Dann gingen wir in nördlicher Richtung den Berg abwärts auf das Dorf Altalbenreuth zu, wo auf den Feldern glänzende, zertrümmerte Basalthornblende, nahe dem Dorfe hohe Schichten von vulkanischem Sande mit porösen Basaltstücken und Hornblende entdeckt wurden. Als wir die schönen Funde nach der Heimkunft auspackten, sagte Goethe: „Morgen gibt es zu ordnen und zu verzeichnen. Sie bleiben doch noch bei mir, wir wollen noch manches besprechen.“ Nachdem er das Oberkleid mit dem Schlafrock vertauscht hatte, musste ich mich zu ihm setzen, und er sprach: „Wir haben heute unser Tagwerk vollbracht, und wir wollen uns nun ausruhen. Diese merkwürdige Gegend wünsche ich mit Ihnen noch einmal zu besuchen, wenn es Ihre Geschäfte zulassen. Wir haben den in der Nähe östlich von uns gelegenen Dillenberg, wo die edlen Granaten vorkommen, noch nicht besucht, und der südlich von uns gelegene Wald, Hochwald genannt, dürfte nebst den schönen Andalusiten noch andere Ausbeute liefern. Ihre Gebirgskarte hat mich zu dem abermaligen Besuch bestimmt. Denn ich glaube, dass die Gebirgsformation gegen den Westen aus anderem Gestein als jene gegen Süden besteht. Die Täler dazwischen und die äußere Form dieser Gebirge dürfte meine Meinung bestärken. Finden wir bei Trennung derselben in Spalten Wasserrisse, so kommen wir bald ins Reine. Auch den Bach dürfen wir nicht unbeachtet lassen; denn Regengüsse führen manches hinab, was wir brauchen, und uns daran erfreuen können.“
Leider hat Goethe den Tillenberg und den südlich von Boden gelegenen Egerer Hochwald nicht besucht, obwohl er es laut Aufzeichnungen des Herrn Grüner ernstlich vorhatte. Schuld daran war Ulrike von Levetzov, die gerade 17 Jahre alt war und die letzte große Liebe des damals 72-jährigen Goethe. Als seine Liebe nach 2 Jahren doch nicht die gewünschte Erhörung fand, reiste er in tiefer, innerer Wehmut ab und klagte auf dem Weg nach Weimar sein Liebesleid in einer der schönsten Liebesdichtungen der Weltliteratur, in der „Marienbader Elegie“.


Schwarze Erde
Schwarze Erde

Um in den Vulkankegel zu gelangen gehen Sie über den Grenzübergang für Fußgänger. Etwa 200 Meter nach der Grenze gehen Sie nach einem Wäldchen linkerhand am Feldrain entlang nach unten zum Vulkan. Der Eisenbühl ist eine imposante, unter Naturschutz stehende Erscheinung. Ein Schild weist darauf hin, dass es nicht erlaubt ist, Gesteine und Mineralien zu sammeln.

Neben dem Vulkan Eisenbühl und der alten Dorfstelle Boden ist auch der Altalbenreuther Säuerling am Säuerlingshammer ein interessantes Wanderziel. Der Säuerling ist eine alte, schon im Jahr 1698 gefasste Quelle ca. 2 km nach dem Grenzübergang.
Auch das Dorf Doubrava (Taubrath, 6 km), mit seinen schmucken Egerländer Fachwerkhöfen, einem Heimatmuseum und einer Pferdezucht mit Arabischen Vollblütern ist einen Besuch wert.
Der Jesenice-Stausee liegt ca. 8 km entfernt. Es lohnt sich, einen Radausflug dorthin zu unternehmen.
Zur Wallfahrtskirche Maria Loreto sind es ca. 8 km über Kozly (Gosel, 4 km) und nach Cheb (Eger) 11 km.

Feldkreuz der Familie Keil
Feldkreuz der Familie Keil

Auf Ihrem Spaziergang folgen Sie der Teerstraße zurück nach Neualbenreuth, vorbei an zwei weiteren Feldkreuzen. Das erste ist zur Ehre Gottes von Familie Keil gewidmet. Auf dem zweiten, dem Stefflers-Kreuz, ist die Inschrift kaum noch lesbar. Bekannt ist, dass es von der Familie Lankl zwischen 1870 und 1880 zur Ehre Gottes errichtet wurde.

Von hier aus geht es wieder bergab nach Neualbenreuth. Über die Zollstraße gelangen Sie zur Kreuzung und biegen nach rechts in die Turmstraße ab, die Sie zurück zum Marktplatz bringt.


Die Stadt Jerusalem – Die Lebensgeschichte einer Paschern (nach Lorenz Weiß)
Das Paschen oder Schmuggeln war bis zum Ersten Weltkrieg ein einträgliches Geschäft für arme Leute. Dazu gehörten damals Häusler, Taglöhner, Kleinhandwerker und Dienstboten.

Lene aus Neualbenreuth war Küchenhilfe und Servierfräulein in Marienbad. Mit etwa 50 Jahren kehrte sie unverheiratet nach Neualbenreuth zurück und lebte alleine in einem Häuschen. Sie ging so oft wie möglich nach Böhmen. Bei den Leuten hieß es:„ Wenn die Woche sieben Tage hat, dann ist die Lene acht Mal im Böhmischen.“ Die Zöllner vermuteten, dass sie etwas schmuggelte. Aber sie fanden nie etwas zum Verzollen bei ihr. Sie durchsuchten den Handwagen und die Handtasche. Man fand nichts unter dem Hut und im Haar. Nach jeder Kontrolle sagte sie immer dasselbe:“ „O mei unter’m Kittel unterm Hemd ist die Stadt Jerusalem!“ Den Spruch der alten schrulligen Dame nahmen die Zöllner nicht ernst. Sie meinten, er wäre eine Aufforderung zu einem Schäferstündchen. Die Leibesvisitation unterblieb daraufhin. 

Auf dem Sterbebett hat sie den Hintergrund des Spruches verraten. Die himmlische Stadt Jerusalem, die sie in den Hosen verbarg und mit dem sie ihr Leben aufbesserte, war böhmischer Tabak.


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© Marktgemeinde Neualbenreuth; Änderungen vorbehalten; 
Stand: August 2015

 

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